Beleuchtung von Alten- und Pflegeheimen

Abbildung 3.156: Altersaufbau der deutschen Bevölkerung 1919 (links), um 2001 (Mitte) und 2050 (rechts, Prognose)

Die Menschen werden immer älter, bleiben länger gesund – leben allerdings auch länger unter Pflegebedingungen. Während in Deutschland der Altersaufbau 1919 noch die typische Pyramidenform mit Kindern und Jugendlichen als stärkste Jahrgänge aufwies, bildeten um 2001 die 30- bis 45-jährigen die stärkste Altersgruppe. Hochrechnungen auf das Jahr 2050 zeigen einen wenig differenzierten Verlauf der Altersstruktur: Alte und Junge sind fast gleich häufig (siehe Abbildung). Und der Trend setzt sich prinzipiell in der gesamten EU etwa in gleicher Weise fort.

Nach Angaben des statistischen Jahrbuchs der Europäischen Union von 2010 (http://ec.europa.eu/eurostat) nimmt der Anteil (Altersquote) der 65-jährigen und älteren Bewohner in Prozent zur Anzahl der Bewohner zwischen 15 und 64 Jahren bis 2060 dramatisch zu Abbildung enthält für einige ausgewählte EU-Staaten (Mittelwert EU27) zum Vergleich diese Werte für die Jahre 2010 und 2060 (Prognose). In den meisten EU-Ländern verdoppelt sich die Altersquote der 65 und älteren Bewohner bis 2060, in Polen – vermutlich durch die Abwanderung der Jüngeren – sogar um das Vierfache.

Aus dieser Entwicklung ergibt sich ein permanent zunehmender Bedarf an Alten- und Pflegeheimen, an Pflegewohngruppen, an Einrichtungen für gemeinschaftliches Wohnen, an speziellen Altenwohnungen und an Häusern für betreutes Wohnen.

Auch die Architektur der Wohnanlagen für Ältere und Pflegebedürftige hat sich geändert. In der Zeit bis 1960 wurden alte Menschen in Heimen „verwahrt". Entsprechend einfach und farblos waren diese Anstalten auch ausgestattet. Anschließend – etwa bis in die 1980er Jahre – war das Krankenhaus mit seinen typischen Stationen zum Leitbild für Alten- und Pflegeheime geworden, in denen „behandelt” wurde. Viele ältere Heime sehen heute noch so aus: Einfache und schmucklose Mehrbettzimmer, die an langen Fluren angeordnet sind. Wenig Farbe, meist gerade mal ausreichende Beleuchtung. Ab etwa 1980 schuf man für alte Menschen Wohnheime, deren Ausstattung mit teils eigenem Mobiliar, Licht und Farbe wohnliches Leben ermöglichen sollten. An die Stelle von alte Menschen zu „verwahren” oder zu „behandeln” trat nun alte Menschen zu „motivieren” und zu „aktivieren”, also am Leben aktiv teilzunehmen. Die architektonische Weiterentwicklung ab 2000 ist die Hausgemeinschaft, in der die Familie zum Leitbild für Geborgenheit und die Normalität des Alterns verwirklicht wurde. Alte Menschen leben wie in einer Familie, versorgen sich teilweise selbst untereinander. Auch Mehrgenerationenhäuser wurden daraus entwickelt. Der Wandel im architektonischen Raumkonzept hatte auch Auswirkungen auf die Ausstattung durch Licht und Farbe solcher Wohnsysteme.