Für die denkmalgerechte Sanierung des Landtags von Baden-Württemberg ist das Berliner Büro Staab Architekten beim Deutschen Architekturpreis 2017 ausgezeichnet worden. Wesentlichen Anteil an der Juryentscheidung hatte die Umsetzung einer integralen Tages- und Kunstlichtlösung für den vorher vom natürlichen Licht abgeschnittenen Plenarsaal. HighTech-Lichttechnik für den Plenarsaal und die Büros des Landtags lieferte unter anderem TRILUX.

Kompromisslos modern

Der Landtag von Baden-Württemberg gilt als erster Parlamentsneubau nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Architekt Horst Linde hat damals einen Kubus aus Glas und Stahl entworfen; mit einer modernen Gestaltung und einem auch heute noch funktional überzeugenden Raumprogramm, aber auch mit einem holzverschalten Plenarsaal ohne Tageslicht im Zentrum des Gebäudes.

Im Zuge einer umfassenden Sanierung hat sich der Charakter des Saals jetzt grundlegend geändert. So öffnet sich den Abgeordneten und Besuchern nun der Blick in den Stuttgarter Himmel und eine Lichtdecke stellt jederzeit bedarfsgerecht Tageslicht, künstliche Beleuchtung oder einen Mix aus beidem bereit.

Eine mutige Öffnung

Natürliches Licht in den vorher gefangenen Plenarsaal zu bringen, war keine einfache Aufgabe, denn der Landtagsbau steht unter Denkmalschutz. Mit dem Einsatz kreisrunder Oberlichter in das Dach konnte das Gebäude für das natürliche Licht geöffnet werden, ohne seine Architektur augenscheinlich zu verändern. Insgesamt wurden 38 kleine und große Oberlichter bündig in das Flachdach eingefügt. Ein Teil von ihnen ist mit elektrochromer Verglasung versehen. Bei übermäßigem Lichteinfall schalten diese Gläser stufenweise von transparent auf opak und verhindern so Blendung und unerwünschten Wärmeeintrag. Raumseitig wurde im Saal eine transluzente Lichtdecke aus Kunststoff-Paneelen installiert. Sie spendet entsprechend den jeweiligen Nutzeranforderungen passend konfiguriertes Licht.

Den vorher tageslichtlosen Plenarsaal überspannt jetzt eine Lichtdecke, die Tageslicht, LED-Licht oder einen Mix aus beidem bereitstellt.

In die transluzente Lichtdecke sind Öffnungen mit klaren Gläsern eingefügt. Durch die im Deckenzwischenraum liegenden Lightpipes öffnet sich hier der Blick in den Himmel.

Lichtzylinder und Lichtrichter

Für die natürliche Belichtung des Plenarsaals sitzen unter den Oberlichtern verschieden ausgeformte Lightpipes. Diese zylindrischen oder nach unten konisch zulaufenden Röhren sind eine Maßanfertigung von TRILUX. Sie transportieren, lenken und streuen das Tageslicht. Teilweise gelangt es diffus in den Deckenzwischenraum, teilweise wird es über in die Lichtdecke eingebettete klare Scheiben direkt in den Saal ausgekoppelt. Durch spezielle Beschichtungen treten die großen Lichttrichter zudem als leuchtende Volumen hinter der Lichtdecke in Erscheinung, was ihr Lebendigkeit und Tiefe verleiht. Mit dem Tageslichtsystem allein lassen sich an klaren, sonnigen Tagen mittlere Beleuchtungsstärken von über 800 Lux im Raum generieren. An trüben Tagen oder während der Dämmerung wird künstliches Licht ergänzt, bis es schließlich am Abend und in der Nacht allein den Plenarsaal erhellt. Als Lichtquellen kommen dafür lineare LED-Leuchten von TRILUX zum Einsatz, die unmittelbar mit der Tageslichttechnik verknüpft sind.

Perfekt abgestimmtes LED-Licht

Die projektspezifischen LED-Linienleuchten sind wie die Schaufeln einer Turbine ringförmig um die Tageslichttrichter und -zylinder angeordnet und um 30° in deren Richtung angekippt. So übernehmen sie gleichzeitig die Anstrahlung der Lightpipes und die Hinterleuchtung der Decke.

Außerdem wird vermieden, dass die Deckenabhängung unerwünschte Schatten wirft. Bei üblicher Nutzung ergänzen die LED-Leuchten das vorhandene Tageslicht oder generieren allein Beleuchtungsstärken von 500 bis 600 Lux. Für Fernsehaufzeichnungen lässt sich dieser Wert auf über 1.000 Lux erhöhen. Eine gleichmäßige Lichtverteilung garantiert schattenfreie TV-Aufnahmen und sorgfältig ausgewählte LED-Treiber verhindern Flicker.

Human Centric Lighting für die Abgeordneten

Der Lichtstrom der LED-Linien passt sich also den jeweiligen Tageslichtsituationen und Nutzungsszenarien an, aber die Leuchten sind nicht nur via DALI dimmbar, sondern bieten auch Tuneable-White-Funktion. Das heißt, die Farbtemperatur des LED-Lichts kann zwischen 2.700 Kelvin und 6.500 Kelvin variiert werden. Dank dieser Option lässt sich Beleuchtung hinsichtlich ihrer visuellen Qualitäten und nicht-visuellen Wirkungen stets optimal einstellen: gedimmtes, gemütliches Warmweiß ist ebenso abrufbar wie aktivierendes Licht mit hohen Beleuchtungsstärken und großem Blauanteil. In Kombination mit der ausgeklügelten Tageslichttechnik, die den Saal für das natürliche Licht geöffnet hat und von jedem Platz im Plenarsaal aus den Blick in den Himmel gewährt, ist eine Gesamtlösung realisiert worden, die stets optimale Bedingungen für die Nutzer schafft – Human Centric Lighting im besten Sinne des Wortes.

Lichte Deckenfelder im Büro

Beinahe wie ein Zitat der Lichtdecke im Plenarsaal wirkt das Beleuchtungskonzept, das für die Büros im Landtag realisiert wurde. Jeweils fünf TRILUX-LED-Leuchten vom Typ Belviso wurden hier mittig an der Decke zu großen Lichtfeldern arrangiert. Die mikroprismatischen Abdeckungen der Leuchten sorgen für eine blendfreie, gleichmäßige Ausleuchtung der Arbeitsplätze mit neutralweißer Lichtfarbe (4.000 Kelvin). Flexibel hat TRILUX die Serienleuchte für dieses Projekt etwas angepasst. Das betraf sowohl leichte Adaptionen an der Leuchtenabdeckung, so dass die schonende Integration in die denkmalgeschützte Substanz gewährleistet war, als auch die Bestückung der Leuchten mit speziellen flächigen LED-Modulen. Belviso wurde übrigens nicht nur wegen der hohen Lichtqualität ausgewählt, sondern überzeugt auch mit ihrer Effizienz. Mit einer Lichtausbeute von 110 Lumen/Watt tragen die Leuchten ihren Anteil zu den 40 Prozent Energieeinsparung bei, die seit der Sanierung im Gebäudebetrieb erzielt werden.

Durch die Öffnung des Plenarsaals über Oberlichter blieb der konsequent kubische Baukörper samt seiner klaren Fassadengliederung erhalten.

Nach einem halben Jahrhundert intensiver Nutzung ist durch die Sanierung des Landtagsbaus nicht nur seine bauliche, technische und energetische Rundumerneuerung gelungen. Die konsequent tageslichtbezogene Modernisierung des Plenarsaals lässt sich auch als Metapher für ein zeitgemäßes Selbstverständnis der Politik interpretieren, bei dem Transparenz und Bürgernähe wichtige Qualitäten sind. Das Beleuchtungskonzept und die moderne Lichttechnik schaffen optimale Arbeitsbedingungen und setzen das Denkmal der Architekturmoderne würdig in Szene.

»Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten – Architekten, Lichtplaner, Spezialisten für die Oberlichter und die Lichtdecke sowie TRILUX als Experte für die Lightpipes und die Leuchten – ist sicher etwas ganz Besonderes an diesem Projekt. In einem kooperativen Prozess wurden Entwicklung, Bemusterung und Optimierung abgewickelt. Im Ergebnis ist eine technisch überzeugende und attraktive Lösung entstanden«, erklärt Dirk Alheit, Projektleiter von TRILUX.

Projektinformationen

  • Bauherr
    Land Baden-Württemberg vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg
  • Objekt
    Landtag von Baden-Württemberg, Stuttgart
  • Architekten
    Staab Architekten GmbH, Berlin
  • Lichtplanung
    Licht Kunst Licht AG, Bonn / Berlin
  • TRILUX-Baureihen
    Sonderanfertigung der Lightpipes und der LED-Lichtlinien in der Lichtdecke des Plenarsaals
    LED-Lichtlinie (an der Rückwand des Plenarsaals)
    Belviso, leicht adaptiert (in den Büros und der Wandelhalle)