Nahrungs- und Genussmittelindustrie

Die Beleuchtung von Räumen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie bzw. des einschlägigen Handwerks stellt besondere lichttechnische, hygienische und elektrotechnische Anforderungen. Die Empfehlung der EU-Kommission 89/214/EWG vom 24. Februar 1989 über die Regeln, die bei Besichtigungen (durch tierärztliche Sachverständige) in den für den innergemeinschaftlichen Handel zugelassenen Fleischlieferbetrieben zu beachten sind, verlangt „eine ausreichende, die natürlichen oder künstlichen Farben nicht verändernde Beleuchtung''.

Speziallampen für Verkaufstheken für Fleisch- und Wurstwaren weisen im Spektrum meist einen höheren Rotanteil auf. Sie sind nur für die Warenpräsentation (Fleischverkaufsvitrinen), nicht jedoch für die Beleuchtung des Raumes einzusetzen. Auf die farbverfälschende Wirkung von farbigen Wänden, Mobiliar, Bedachungen, Markisen sowie die Beleuchtung des gesamten Umfeldes in Bezug auf eine irreführende Farbwahrnehmung ist zu achten.

In Großbritannien ist die staatliche Food Standards Agency (FSA, s. a. www.food.gov.uk) u. a. auch verantwortlich für die Fleischbeschau und die Kontrollen entsprechender Räume. Sie kontrolliert die Fleischindustrie im Hinblick auf Gesundheit der Bevölkerung und die artgerechte Haltung der Tiere bei der Schlachtung. Nach dem Meat Industrial Guide (MIG - Part Two) müssen die Räume angemessen natürlich oder künstlich beleuchtet sein. Zum Beispiel sind 540 lx in Kontrollbereichen, 220 lx in Arbeitsbereichen und 110 lx in allen anderen Bereichen gefordert. Die Beleuchtung darf keine Farbveränderungen herbeiführen.

Neben der realistischen Farbwahrnehmung der Lebensmittel ist die schädigende Wirkung der Strahlung künstlicher Lichtquellen auf Lebensmittel ein vorrangiges Merkmal der Beleuchtung. Untersuchungen haben ergeben, dass Fleischwaren, Käse, Backwaren, Obst und Gemüse sowie nahezu alle Fischwaren am geringsten in ihrer Haltbarkeit beeinflusst werden, wenn sie neben moderaten Beleuchtungsstärken und nicht zu langen Bestrahlungszeiten mit Leuchtstofflampen der Lichtfarbe 830, d. h. mit Lampen der Farbwiedergabe Ra ≥ 80 (Farbwiedergabe- Index) und der Farbtemperatur von etwa 3.000 K beleuchtet werden. Halogenglühlampen erreichen ähnliche Ergebnisse, erzeugen jedoch deutlich höhere Wärme, die sich nachhaltig auf die Lebensmittel auswirken kann.

Schädigende Belastungen der Waren werden durch die Beleuchtung mit LED-Leuchten wirksam vermieden, weil deren Strahlung frei von Infrarot- und Ultraviolett- Strahlungsanteilen ist (siehe Kapitel, „Leuchtmittel”).

Grundsätzlich werden in solchen Räumen geschlossene Leuchten empfohlen. Bei so genannten Splitterschutzlampen ist auf einen ggf. durch Schutzfolien eintretenden Lichtstromverlust zu achten.

Auf Grund der hohen Hygieneanforderungen in der Lebensmittelindustrie wird vom Lieferanten der Leuchten die Einführung eines HACCP-Systems (Hazard Analysis Critical Control Point) erwartet (siehe auch Kapitel, „Lebensmittelindustrie").