Beleuchtungsstärke im Bereich der Sehaufgabe

Die in den europäischen Normen, z. B. EN 12464-1, genormten Werte der Beleuchtungsstärke sind Wartungswerte auf der betreffenden Bewertungsfläche, z. B. des Bereiches der Sehaufgabe, die horizontal, vertikal oder geneigt sein kann. Unabhängig vom Alter und Zustand der Beleuchtungsanlage darf die mittlere Beleuchtungsstärke für die jeweilige Sehaufgabe nicht unter den Wartungswert sinken. Die Werte gelten für übliche Sehbedingungen und berücksichtigen folgende Faktoren:

  • Psychologische und physiologische Aspekte wie Sehkomfort und Wohlbefinden

  • Anforderungen der Sehaufgabe

  • visuelle Ergonomie

  • praktische Erfahrung

  • Sicherheit

  • Wirtschaftlichkeit.

Der Wartungswert der Beleuchtungsstärke kann um wenigstens eine Stufe der Beleuchtungsstärken-Skala angepasst werden, wenn die Sehbedingungen von den üblichen Annahmen abweichen. Unter üblichen Beleuchtungsbedingungen sind ungefähr 20 lx notwendig, um ansatzweise Gesichtszüge erkennen zu können. Dies ist daher der niedrigste Wert der für Arbeitsstätten gültigen Beleuchtungsstärken-Skala.

Ein Faktor von ungefähr 1,5 stellt den kleinsten signifikanten Unterschied dar für eine gerade wahrnehmbare und hinsichtlich der visuellen Leistung wirksame Beleuchtungsstärke-Änderung.

Daraus leitet sich die empfohlene Beleuchtungsstärken- Skala (in lx) ab: 20 · 30 · 50 · 75 · 100 · 150 · 200 · 300 · 500 · 750 · 1.000 · 1.500 · 2.000 · 3.000 · 5.000.

Die genormten Werte sind Mindestwerte als Kompromiss aus dem physiologisch, psychologisch und ergonomisch Notwendigen und dem wirtschaftlich Vertretbaren. Daraus folgt auch, dass die Werte um eine Stufe erhöht werden sollten, wenn erschwerte Sehbedingungen vorliegen. Unterschreitungen sind nur zulässig, wenn die Sehaufgabe besonders große Details und hohe Kontraste aufweist oder nur kurze Zeit ausgeübt wird.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass höhere als die genormten Beleuchtungsstärken einen Zugewinn an Leistungsbereitschaft und Wohlbefinden der Menschen und dadurch bedingt höhere Produktivität und zusätzlichen, betriebswirtschaftlichen Nutzen ergeben.

Der nach EN 12464-1 geforderte Wartungswert der Beleuchtungsstärke sollte erhöht werden, wenn

  • die Sehaufgabe für den Arbeitsablauf kritisch ist

  • die Behebung von Fehlern zu erhöhten Kosten führt

  • Genauigkeit oder höhere Produktivität von großer Bedeutung sind

  • das Sehvermögen der arbeitenden Person unter dem Durchschnitt liegt

  • die Sehaufgabe besonders kleine Details oder besonders niedrige Kontraste aufweist

  • die Sehaufgabe für eine besonders lange Zeit ausgeführt werden muss.

Der geforderte Wartungswert der Beleuchtungsstärke darf nach EN 12464-1 niedriger gewählt werden, wenn

  • die Sehaufgabe besonders große Details oder besonders hohe Kontraste aufweist

  • die Sehaufgabe nur besonders kurzzeitig ausgeführt wird.

An ständig besetzten Arbeitsplätzen in Gebäuden ist ein Wartungswert der Beleuchtungsstärke von mindestens 200 lx vorzusehen, es sei denn, dass betriebliche oder physiologisch-optische Gründe eine Abweichung erfordern, z. B. in den Dunkelkammern von Fotolaboratorien.

Werden an ortsfesten Arbeitsplätzen im Freien Tätigkeiten verrichtet, die den Tätigkeiten in Innenräumen entsprechen, z. B. Arbeiten an Holzbearbeitungsmaschinen, ist dort eine für diese Tätigkeit in Innenräumen in EN 12464-1 vorgegebene Beleuchtungsstärke vorzusehen.

In Räumen oder Raumzonen, die dem ständigen Aufenthalt von Personen dienen, ist ein Wartungswert der Beleuchtungsstärke von mindestens 100 lx erforderlich.

Abbildung enthält eine Matrix zur Bestimmung des Wartungswertes der Beleuchtungsstärke aufgrund von JA/NEIN-Entscheidungen bezüglich der in EN 12464-1 aufgeführten Kriterien für erschwerte bzw. erleichterte Sehbedingungen.

Man beginnt oben mit der für den Bereich der Sehaufgabe festgelegten Beleuchtungsstärke. Liegen keine von den üblichen Bedingungen abweichenden Sehbedingungen vor, kann in der Matrix von Frage 1 ausgehend nach unten zur nächsten Frage übergegangen werden.

Wird die Frage nach den besonderen Sehbedingungen mit JA beantwortet, ist die Beleuchtungsstärke um eine Stufe zu erhöhen bzw. um eine Stufe zu verringern. Nach Entscheidung der Fragen 1 bis 8 gelangt man zum Wartungswert der Beleuchtungsstärke, der unter Berücksichtigung der vom Normalfall abweichenden Sehbedingungen der Planung zugrunde zu legen ist.

Wenn man nach Durchlaufen der Matrix zum Ergebnis kommt, dass die Beleuchtungsstärke aufgrund besonderer Bedingungen um mehr als 2 Stufen erhöht werden muss, z. B. von 300 lx auf über 750 lx, ist anzunehmen, dass die Sehaufgabe in Bezug auf die Sehdetails und die Arbeitsorganisation nach den Tabellen z. B. von EN 12464-1 nicht richtig eingeordnet wurde.