Beleuchtung für Fernseh- und Filmaufnahmen

Für Fernseh- und Filmaufnahmen sind folgende lichttechnische Gütemerkmale wichtig:

  • Vertikale Beleuchtungsstärke und deren Gleichmäßigkeiten

  • Verhältnis der horizontalen zur vertikalen Beleuchtungsstärke

  • Gleichmäßigkeit der horizontalen Beleuchtungsstärke

  • Farbtemperatur der Lampen

  • Farbwiedergabe der Lampen

  • Beleuchtungsniveau der Zuschauerbereiche.

  • Flimmerfreiheit des Lichtes.

Da bei Fernsehen und Film im Sport heute in der Regel auch Zeitlupe-Wiedergaben vorgesehen sind, werden an die Flimmerfreiheit erhöhte Anforderungen gestellt.

Vertikale Beleuchtungsstärke

Ebenso wie für den Zuschauer vor Ort ist für Fernseh- und Filmaufnahmen beim Sport die Beleuchtung vertikaler Flächen besonders relevant. Dabei ist immer die Beleuchtungsstärke zu betrachten, mit der die Szenerie aus Richtung der aufnehmenden Kamera beleuchtet ist. Die Norm EN 12193 gibt hierfür einen Mindestwert von

- Ev,min = 600 lx (1.400 lx)

(örtlicher Mindestwert von Ev) und die Gleichmäßigkeit in Form eines

- Gradienten von 6 % über 1 m (5 % über 1 m )

vor. Die in Klammern stehenden Werte sind Empfehlungen für Großveranstaltungen.

Die angegebenen Beleuchtungsstärken sind als Wartungswert zu verstehen, die zu keinem Zeitpunkt unterschritten werden. Die Gleichmäßigkeit wird in Form eines Gradienten angegeben. Zur Ermittlung der Beleuchtungsstärke und der Gleichmäßigkeit werden für jede Sportart die Werte an den vorgegebenen Rasterpunkten (siehe Absatz „Bewertungsflächen") in einer Höhe von 1,5m über dem Boden herangezogen, wenn nicht anders angegeben.

Für Kameras mit feststehenden Kamerapositionen ist es möglich, die Anforderung bzgl. der Beleuchtungsstärken Ecam aus Richtung der jeweiligen Position der Kamera her zu erfüllen. Die Gleichmäßigkeit muss Ecam,min/Ecam ≥ 0, 6 betragen (siehe Abbildung).

Wenn die Hauptkamera eine nicht festgelegte Position auf der Längsseite der Sportfläche, z. B. eines Handballfeldes, hat, muss die Beleuchtung die Anforderungen bezüglich Beleuchtungsniveau und Gleichmäßigkeit entlang dieser Längsseite erfüllen.


Falls die Kameraposition, z. B. einer Handkamera, keiner Einschränkung unterliegt, müssen die vertikalen Beleuchtungsstärken von allen vier Seiten eines Feldes her erreicht werden. Auch die Gleichmäßigkeit muss bzgl. aller vier Richtungen längs den Seiten der Sportfläche berücksichtigt werden.

Einige Sport-Dachverbände haben ihre eigenen speziellen Empfehlungen für Fernsehbeleuchtungsniveaus festgelegt, die gegebenenfalls herangezogen werden sollten.

Abbildung 3.105:

Die aus Richtung der TV-Kamera auftreffende Beleuchtungsstärke bestimmt die Qualität der Fernsehbilder. Daher wird üblicherweise die Beleuchtungsstärke an Referenzpunkten auf der (meist geneigten) Ebene bestimmt, die senkrecht zur optischen Achse der Aufnahmekamera liegt.

Verhältnis zwischen horizontaler und vertikaler Beleuchtungsstärke

Weil die beleuchtete horizontale Fläche ebenfalls einen Hauptanteil für das Beobachtungsfeld der Kamera darstellt, ist es wichtig, einen ausreichenden Anteil horizontaler Beleuchtungsstärke zur Verfügung zu haben. Ein ausreichend gutes Verhältnis zwischen horizontalen und vertikalen Beleuchtungsstärken wird erreicht, wenn die mittlere horizontale Beleuchtungsstärke Ēh zur mittleren vertikalen Beleuchtungsstärke Ēv (bezogen auf jede Seite mit der Hauptkamera oder in Richtung der Hauptkameraposition) in folgendem Intervall liegt:

0,5 ≤ Ēhv ≤ 2.

Empfohlen wird ein Intervall von

0,5 ≤ Ēhv ≤ 1,5.

Gleichmäßigkeit der horizontalen Beleuchtungsstärke

Die Gleichmäßigkeit der horizontalen Beleuchtungsstärke in einer Sportfläche soll betragen:

Eh,min/Eh ≥ 0,7 und Eh,min/Eh,max ≥ 0,5

Für Großveranstaltungen wird empfohlen:

Eh,min/Eh ≥ 0,7 und Eh,min/Eh,max ≥ 0,5

Auch ist es wichtig, dass nicht zu große Änderungen der horizontalen Beleuchtungsstärken über eine bestimmte Entfernung auftreten. Zum Beispiel darf bei großen Spielfeldern, wie beim Handballfeld, die maximale Änderung der horizontalen Beleuchtungsstärke nicht mehr als 5% je 1 m betragen.

Um ungewollte Reflexionen der Lichtquellen auf der Spielfeld im Kamerabild zu vermeiden sind ggf. die geometrischen Verhältnisse der Leuchten- und Kamerapositionen zueinander in der Planung zu berücksichtigen. Dies tritt jedoch insbesondere bei der Nutzung von Flutlicht in Erscheinung und ist in Innenräumen mit einer gleichmäßigen Verteilung vieler Lichtquellen weniger kritisch.

Farbtemperatur der Beleuchtung

Bei Anlagen in Innenräumen mit einem deutlichen Tageslichtanteil muss die Farbtemperatur der künstlichen Beleuchtung zwischen 5.000 K und 6.000 K liegen, wenn die künstliche Beleuchtung bei Tageslicht oder in der Dämmerung eingeschaltet ist. Viele Fernsehanstalten fordern jedoch einen vollständigen Ausschluss des Tageslichtes und sehr geringe Abweichungen der Farbtemperaturen der verwendeten Lichtquellen.

Farbwiedergabe der Beleuchtung

Für die Farbwiedergabe wird anstelle eines Wertes des Farbwiedergabe-Index ????a der Beleuchtung auf einen TLCI-Wert verwiesen (Television Lighting Consistency Index). Die Bewertung von Lichtquellen nach dem dem TLCI-Verfahren stellt sicher, dass sowohl das Farbsehen des menschlichen Auges und auch die spezifische Empfindlichkeit moderner Kameras bezüglich der spektralen Zusammensetzung des Lichtes berücksichtigt werden. Als Mindestwert gibt die Norm einen TLCI ≥ 60 und für Großveranstaltungen einen TLCI ≥ 80 an, wobei die Angaben informativ sind.

TRILUX-Sporthallenleuchten sind nach dem TLCI-Verfahren bewertet.

Beleuchtungsniveau der Zuschauerbereiche

Zuschauerbereiche mit den Emotionen und Stimmungen der Sportfans bilden oft den Hintergrund für die Fernseh- und Filmaufnahmen. Daher ist es wünschenswert, dass auch die angrenzenden Zuschauerbereiche mit Blick auf das Spielfeld beleuchtet sind. Dabei sollte im Zuschauerbereich in den ersten 12 Sitzreihen im Mittel eine vertikale Beleuchtungsstärke erreicht werden, die 10 % bis 25 % der mittleren vertikalen Beleuchtungsstärke der Sportfläche beträgt.

Flimmerfreiheit des Lichtes

Viele Lichtquellen weisen periodische Schwankungen des erzeugten Lichtstromes auf, z. B. auf Grund der periodischen Versorgungs-Wechselspannung. Die hohe Bildwechselfrequenz von über 150 Bildern pro Sekunde (150 fps) moderner Zeitlupe-Kameras bei der Aufnahme und deren extrem verlangsamte Wiedergabe - bis hin zu Einzelbildern - erfordern, dass die Beleuchtungsstärke auch bezogen auf Frequenzen weit oberhalb der Wahrnehmungsgrenze weitgehend konstant sein muss. Der technische Begriff zur Beschreibung dieser Anforderung ist der „Flicker”. Die hier maßgebliche Größe zur Erfassung des Flickers ist der „Flickerfaktor”, der die Modulationstiefe der Lichtstromschwankungen beschreibt ((siehe Kapitel „Flimmern und stroboskopische Effekte").

Für Fernsehaufnahmen bei Großveranstaltungen fordert die Norm einen Flickerfaktor FFlicker < 1%. Es eignen sich hierzu z. B. am Markt verfügbare LED-Leuchten mit ausreichend ausgelegter Stabilisierung der LED-Stromversorgung. Für hochfrequente Modulationen mit Frequenzen > 40 kHz ist ein Flickerfaktor FFlicker < 5% ausreichend.

TRILUX-Sporthallenleuchten erfüllen die normativen Anforderungenbzgl. des Flicker.

In Ausnahmefällen kann bei Bedarf eine Reduzierung des Flickers auch durch den Parallelbetrieb von drei gleichen Lichtquellen an den versetzten Phasen eines Drehstromnetzes erreicht werden. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass alle drei Lichtquellen im Vergleich zur Distanz zum Objekt räumlich nahe beieinander angeordnet sein müssen. Anderenfalls würde das Flimmern unterscheidbarer Schatten des Objektes in der Wiedergabe störend wahrgenommen werden.

Weitere Regelwerke

Die vorstehenden Angaben zur Beleuchtung von Fernseh- und Filmaufnahmen basieren auf EN 12193. Gute Hinweise zu Fernsehaufnahmen sind auch der Publikation „LG4, Part B: Applications — Lighting for television (addendum)” zu entnehmen. Darüber hinaus sind auch Festlegungen der nationalen und  internationalen Sportverbände (siehe Tabelle) sowie der für die Fernsehübertragung verantwortlichen Unternehmen zu berücksichtigen. Bei der Vielzahl von z. T. sogar streng einzuhaltenden Vorschriften ist die Planung der Beleuchtung für anspruchsvolle Fernseh- und Filmaufnahmen im Allgemeinen Spezialisten vorbehalten.