Identische Bereiche der Sehaufgabe in Fensternähe

Abbildung 3.221: Tageslichtabhängige Regelung in einem Bereich der Sehaufgabe

Einer der häufigsten Grundrisse in Verwaltungsgebäuden ist das Gruppenbüro mit in Fensternähe befindlichen Arbeitsbereichen. Dies sind häufig Doppelarbeitsplätze, bei denen zwei Schreibtische sich gegenüberstehen. Aber auch die Anordnung von Vierfacharbeitsplätzen (siehe Abbildung) ist häufig anzutreffen. In solchen Büros kann man die Arbeitsplätze als identische, zusammenhängende Bereiche der Sehaufgabe betrachten. Für das Lichtmanagement besteht die Aufgabe darin, diese Bereiche ordnungsgemäß zu steuern.

Bezüglich einer tageslichtabhängigen Regelung können hier unterschiedliche Aspekte eine Rolle spielen, die im Wesentlichen von der Anordnung und der lichttechnischen Wirkung der verwendeten Leuchten abhängen:

  • Bei zwei Leuchtenreihen kann eine gleichmäßige Dimmung aller Leuchten oder eine sogenannte Offset-Regelung erfolgen.

  • Es können leuchtenexterne Sensoren oder in (Master-) Leuchten integrierte Sensoren zum Einsatz kommen.

  • Die Ist-Wert-Messung kann im Arbeitsbereich oder außerhalb des Arbeitsbereiches erfolgen.

Die Abbildung a und b zeigen eine zweireihige Anordnung direkt strahlender An- oder Einbauleuchten, wie sie in vielen Büros vorzufinden ist. In solchen Anwendungen kann der Sensor der tageslichtabhängigen Regelung leuchtenextern über dem Arbeitsplatz montiert sein oder sich in einer Masterleuchte befinden. In beiden Fällen bieten viele Lichtmanagementsysteme eine Wahl zwischen zwei möglichen Betriebsarten an. Dabei können entweder alle Leuchten gleichmäßig gedimmt betrieben werden, oder ein sogenannter Offset-Betrieb eingerichtet werden, bei dem die fensternahen Leuchten bei verfügbarem Tageslicht stärker gedimmt werden als die von den Fenstern entfernteren.

Das Ziel der Offset-Regelung besteht darin, die zur Raumtiefe hin abnehmende Verfügbarkeit des Tageslichtes  auszugleichen. Es ist im Einzelfall zu prüfen, in welchem Maße die bewirkte, überwiegend horizontale Beleuchtungsstärke in diesem Bereich, der z. B. ein reiner Verkehrsweg sein könnte, benötigt wird.

Die Abbildung c und d zeigen die Situation der Integration des Lichtsensors in eine Masterleuchte. Ein Grund für die Verwendung der Masterleuchte kann die vereinfachte Installation sein. Im Falle direkt-indirekt strahlender Leuchten sollte für die korrekte Messung der Ist- Beleuchtungsstärke in der Nutzebene jedoch unbedingt vermieden werden, dass Anteile des nach oben gerichteten Lichtstroms der Leuchten direkt vom Sensor erfasst werden und den Messwert überlagern. Auf Grund der breit strahlenden Charakteristik des Lichtstrom-Indirektanteils ist die Montage des Sensors an der Decke in solchen Fällen daher kritisch zu bewerten.

Bei der Entscheidung, ob der Sensor fenternah oder in einer Leuchte in der Raumtiefe positioniert werden soll, ist zu berücksichtigen, das Störungen durch Fremdlicht (siehe Abbildung) vermieden werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der Verlauf der Tageslichtversorgung zur Raumtiefe vom Grad der Streuung des  Tageslichtes (gerichtetes Licht bei Sonnenschein oder diffuses Licht bei bedecktem Himmel) abhängig sein kann. Die Anordnung des Sensors in der Raumtiefe reduziert somit unter Umständen das Energieeinsparpotential im Vergleich zur Messung im Arbeitsbereich. Im Vergleich zur fensternahen Messung ist sie hingegen unter Umständen zuverlässiger.

Soll in der Geometrie der Abbildung c und d eine Offset-Regelung realisiert werden, so ist darauf zu achten, ob das Lichtmanagementsystem einen positiven oder negativen Offset vorgibt. Entsprechend ist ggf. die fensternahe oder fensterferne Anbringung der Masterleuchte vorgegeben.

Die Abbildung e zeigt die Anordnung einer arbeitszonalen Leuchte mit integrierter Sensorik zur Messung im Bereich der Sehaufgabe. Ein deckenmontierter Lichtsensor in Kombination mit der stark indirekt strahlenden  Leuchte ist auszuschließen. Der hohe Indirektanteil der Leuchte erfordert einen guten Deckenreflexionsgrad. Er bewirkt dann in der Raumtiefe eine in der Regel sehr gute Ausleuchtung. Insbesondere der vertikale Anteil der Beleuchtungsstärke ist geeignet, nicht nur einen Verkehrsweg zu beleuchten, sondern auch Leseaufgaben an Regalen und Schränken zu unterstützen (siehe auch Abbildung in Absatz, „Sehaufgaben und Arbeitsbereich”).

Abbildung 3.222: Grundriss eines Gruppenbüros

Für alle Anordnungen können bei identischer Tageslichtversorgung aller Arbeitsplätze im Raum die benachbarten Bereiche durch ein gemeinsames Lichtmanagementsystem gesteuert werden. In der Praxis ist abzuwägen, ob eine lokale Anwesenheitserfassung je Arbeitsplatzgruppe (siehe Abbildung) den Einsatz mehrerer Sensoren sinnvoll erscheinen lässt. Da in Masterleuchten Anwesenheits- und Lichtsensoren in der Regel kombiniert enthalten sind, können diese für lokale, individualisierte Ansteuerungen der Leuchtengruppen genutzt werden.