Lichtfarbe

Die Lichtfarbe einer Lichtquelle wird durch die ähnlichste Farbtemperatur Tcp (température de couleur proximale) gekennzeichnet. Die ähnlichste Farbtemperatur ist die Temperatur des erhitzten Platins, dessen Farbwahrnehmung gleich der der betreffenden Lichtquelle ist (siehe Abbildung). Niedrige ähnlichste Farbtemperaturen beschreiben warme, gelb-rot-weiß erscheinende Lichtfarben, wie z.B. Kerzen, Glühlampen und andere Temperaturstrahler. Hohe Temperaturen beschreiben kalte, also mehr weiß-blaue Lichtfarben, wie z. B. das Tageslicht mit etwa 6.500 K (bedeckter Himmel).

In den europäischen Normen zur Beleuchtung werden im Allgemeinen keine Empfehlungen zur Lichtfarbe der zu verwendenden Lichtquellen gegeben, weil deren Auswahl stark von der Psychologie, der Ästhetik und dessen, was in den unterschiedlichen Regionen Europas als natürlich angesehen wird, abhängt. Die Wahl der geeigneten Lichtfarbe hängt also stark von den regionalen Gewohnheiten ab, ebenso auch vom Beleuchtungsstärkeniveau, den Farben des Raumes und der Möbel, vom Klima der Umgebung und dem Anwendungsfall. In warmen Klimazonen wird allgemein eine höhere Farbtemperatur, z. B. tageslichtweiß, bevorzugt, in kaltem Klima eher eine niedrigere Farbtemperatur, also warmweiße Lichtfarben.

Abbildung 3.248: Auszug aus der Normfarbtafel nach CIE 1931 mit dem planckschen Kurvenzug, der die Lichtfarbe des erhitzten Platins repräsentiert. Eingezeichnet sind ähnlichste Farbtemperaturen, z. B. von Leuchtstofflampen. E ist der Unbuntpunkt oder Weißpunkt.

Tabelle 3.175: Lichtfarbe und ähnlichste Farbtemperatur nach EN 12464-1

Die Wahl der Lichtfarbe hängt aber ebenso auch von Anwendungsfall - also der Sehaufgabe - und Faktoren der Ästhetik und der Psychologie, sowie den Farben des Raumes und der Möbel, und der räumlichen Wirkung der Umgebung ab.

Auf Grund jüngerer Erkenntnisse sollte heute aber auch der tageszeitliche Rahmen der Nutzung des Raumes nicht außer Betracht gelassen werden. Insbesondere für Räume mit gegenüber dem üblichen Arbeitsrhythmus erweiterten Nutzungszeiten sollte die circadiane Wirksamkeit des Lichtes unbedingt Berücksichtigung finden. Dabei ist es nicht allein die Lichtfarbe, sondern auch die detaillierte spektrale Zusammensetzung des Lichtes, die einen Einfluss ausübt. Für Bereiche mit Nachtschichtbetrieb ist darauf zu achten, dass die innere Uhr nicht zu sehr beeinflusst wird. Für Bereiche mit frühem Arbeitsbeginn und geringer Tageslichtversorgung sollte die künstliche Beleuchtung eine aktive Unterstützung des circadianen Rhythmus ermöglichen (siehe Kapitel „Human Centric Lighting (HCL)”).

Eine herstellerneutrale, internationale Art der Kennzeichnung der Lichtfarbe ist der Tabelle zu entnehmen. Zusätzlich wird dort die Farbwiedergabe der Lichtquelle gekennzeichnet, die im folgenden Abschnitt erläutert wird.